Aber mein Penis?! 🍆
Willkommen in Deutschland – dem Land der Dichter, Denker und Düsentriebe. Während der Rest der zivilisierten Welt gemächlich und gesetzlich geregelt über ihre Highways, Motorways und Routes dümpelt, haben wir Deutschen uns einen letzten Zipfel vermeintlicher Freiheit bewahrt: das gottgegebene Recht, mit 250 km/h über die A3 zu ballern. Hurra!
Doch es kommt, wie es kommen muss: Irgendwer fängt mal wieder an, über ein Tempolimit zu reden. Und zack – ist der kleine Kevin Kolbinski am Steuer beleidigt wie ein pubertierender Teenager, dem man das WLAN kappt. Warum? Weil er befürchtet, dass mit dem Tempolimit nicht nur der Bleifuß, sondern auch sein Selbstwertgefühl auf 130 gedrosselt wird.
Oder, wie man es auf Stammtisch-Deutsch sagen würde: „Aber mein Penis?!“
Worum geht’s eigentlich?
Ein Tempolimit von 130 km/h auf deutschen Autobahnen – klingt erstmal unspektakulär. Aber es wäre ein gigantischer Schritt in Richtung Vernunft. Ein Wort, das in manchen Automobilforen offenbar nur als französischer Weichkäse durchgeht. Also schauen wir uns doch mal an, was wirklich dafür spricht:
1. Umwelt und Klima:
Laut Umweltbundesamt wĂĽrde ein generelles Tempolimit:
- 2,2 Millionen Tonnen COâ‚‚ pro Jahr einsparen.
- Spritverbrauch massiv senken.
- Den Verkehr gleichmäßiger machen = weniger Staus = weniger Stop-and-Go = weniger Emissionen.
Oder wie der Porschefahrer sagt:
„Aber ich fahr doch nur am Wochenende… und auĂźerdem kompensier ich das mit regionalem Bier!“
2. Verkehrssicherheit:
Höhere Geschwindigkeit = schwerere Unfälle.
Das ist keine Meinung, sondern Physik.
Im Klartext:
- Bei 130 km/h endet ein Fehler meist mit Blechschäden und Verletzungen.
- Bei 200 km/h endet ein Fehler mit Beerdigung.
Trotzdem hält sich das Märchen vom „deutschen Sicherheitsfahrer“ hartnäckig. Wahrscheinlich weil sich manche Männer beim Bremsweg aus 220 km/h noch überlegen fühlen.
„Ich hab alles im Griff!“
— Letzte Worte, kurz vor dem Überschlag
3. Verkehrsfluss:
Ein Tempolimit wĂĽrde den Verkehr homogener machen. Keine Protz-Rennen mehr zwischen Audi Q7 und BMW X6, keine abrupten Spurwechsel, keine Vollbremsungen wegen 320 km/h auf der linken Spur.
Aber nein – lieber fahren wir weiterhin Autobahn-Slalom zwischen den Helden der linken Spur. Jeder ein Michael Schumacher auf Koks. Und jeder Lkw-Fahrer ein potenzieller Kollateralschaden.
4. Wirtschaft:
Was viele vergessen: Staus, Unfälle, Reparaturen – all das kostet Geld. Viel Geld.
Ein gleichmäßiger Verkehrsfluss spart:
- Zeit
- Reparaturkosten
- Krankenhauskosten
- Versicherungsprämien
Aber hey: Was interessiert das den Mann, der sich sein SelbstwertgefĂĽhl mit dem Drehmoment misst?
5. Psychologie:
Oder nennen wir es, wie es ist:
Testosteron-Tuning in der Blechkapsel.
Denn wenn es ums Tempolimit geht, wird’s plötzlich sehr… äh… emotional. Da wird argumentiert, als ginge es um Menschenrechte. Freiheit! Selbstbestimmung! Deutschland ohne Tempo wäre wie Currywurst ohne SoĂźe! Und immer wieder landet man – direkt oder indirekt – beim Genitalvergleich.
„Ich brauch keine Therapie – ich hab ’nen M5.“
Was sie sagen – und was sie wirklich meinen:
| Satz | Ăśbersetzung |
|---|---|
| „Ein Tempolimit ist der Anfang vom Ende der Freiheit!“ | Ich hab Angst, dass mein Auto dann nicht mehr geil ist. |
| „In anderen Ländern ist die Unfallrate auch hoch.“ | Ich hab Google nur bis zur Überschrift gelesen. |
| „Ich fahr sicher – auch bei 250!“ | Ich hab seit 2004 keinen Schulterblick gemacht. |
| „Das bringt doch nix fürs Klima.“ | Ich bin Klimawandel-Relativierer, aber fahre Hybrid, um Parkplätze zu kriegen. |
Das heiĂźt also:
Deutschland ist das letzte Land ohne Tempolimit – und das nicht aus Vernunft, sondern aus Eitelkeit.
Es geht längst nicht mehr um Mobilität. Es geht um Machtfantasien, Ego und den schmerzhaften Gedanken, dass ein Golf 8 bei 130 genauso schnell ist wie ein AMG – und damit auch genauso männlich. Spoiler: Ist er nicht. Aber niemand hat behauptet, dass ein Tempolimit Egos schont.
Vorschlag fĂĽr alle Tempolimit-Gegner:
Wie wäre es mit einem Deal?
Wer unbedingt schneller als 130 fahren will, muss:
- Einen psychologischen Eignungstest bestehen.
- Einen Erste-Hilfe-Kurs im Rückwärtsfahren absolvieren.
- Eine Penisverlängerung per TÜV-Gutachten beantragen.
Und wer all das nicht will, fährt einfach 130 – und lebt länger. Ist doch eigentlich gar nicht so schwer.
In diesem Sinne:
Freiheit ist nicht das Recht, andere zu gefährden – sondern die Fähigkeit, sich selbst zu bremsen. Oder um’s mit dem VW-Fahrer auf der rechten Spur zu sagen:
„Ich komm auch so an.“

Tempolimit? Nur über meine Lichthupe! – Im Gespräch mit Deutschlands schnellstem Egoproblem
Ort: Rasthof Rasteplatz SĂĽd, direkt an der A3
Getränke: Für den Interviewer: Filterkaffee, schwarz. Für den Gast: Red Bull, warm.
Interviewpartner: „Ronny K.“, 42, gelernter Versicherungskaufmann, Hobbyraser, Insta-Name: @M5RonnyOfficial
Meckerbude:
Herr K., danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Obwohl Sie ja normalerweise lieber mit 280 km/h an Gesprächen vorbeifahren.
Ronny K.:
Kichert Joa, also eigentlich halte ich nur an, wenn der Tank leer ist oder das Ordnungsamt den Lappen will. Aber fĂĽr die Presse macht man mal ’ne Ausnahme.
Meckerbude:
Legen wir los: Tempolimit – für viele Menschen längst überfällig. Warum wehren Sie sich so heftig dagegen?
Ronny K.:
Weil ich frei bin, Alter! Ich fahr M5, 625 PS. Das ist kein Auto – das ist ein Statement. Da kann mir doch keiner erzählen, ich soll 130 fahren wie so’n Ă–ko-Volvo auf Pilgerfahrt. Ich hab das Recht, meine Geschwindigkeit selbst zu bestimmen. Steht so im Grundgesetz. Zwischen Zeile 3 und 4, irgendwo bei „freie Entfaltung der Persönlichkeit“.
Meckerbude:
Und Sie glauben nicht, dass ein Tempolimit vielleicht Menschenleben retten könnte?
Ronny K.:
Ach was! Wenn man Auto fahren kann, passiert auch nix. Ich fahr seit 20 Jahren – unfallfrei! Na gut, ein Wildschwein, zwei Spiegel und ein Leitpfosten. Aber die standen halt auch echt schlecht da.
Meckerbude:
Aha. Und wie stehen Sie zu Studien, die zeigen, dass ein Tempolimit massiv COâ‚‚ einspart?
Ronny K.:
Ja gut, wenn man’s genau nimmt, verpestet doch der Flugverkehr viel mehr! Außerdem fahr ich ja auch nicht jeden Tag. Nur zur Arbeit. Und am Wochenende. Und zum Nürburgring. Und wenn ich schlecht drauf bin. Und eigentlich immer.
Meckerbude:
Stichwort „männliches Ego“ – einige Psychologen sagen, viele Raser kompensieren mit dem Gasfuß ihre Unsicherheiten. Was sagen Sie dazu?
Ronny K.:
Was soll das denn heiĂźen?! Ich hab ĂĽberhaupt kein Ego-Problem! Ich hab ’ne Soundanlage fĂĽr 8.000 Euro, Sitzheizung vorn und hinten, und meine Freundin hat gesagt, sie findet’s sexy, wenn der Auspuff knallt.
(Schweigt kurz) Also… die Ex-Freundin. Die aktuelle fährt lieber Zug. Aber das ist ’ne andere Baustelle.
Meckerbude:
Wie stehen Sie zu Elektroautos?
Ronny K.:
Das sind Toaster auf Rädern. Ich will beim Fahren fühlen, dass da was passiert. Ich brauch Motorensound. Sonst fühl ich mich wie im Fahrstuhl mit Spotify.
Meckerbude:
Kommen wir zur letzten Frage: WĂĽrden Sie ein Tempolimit akzeptieren, wenn es der Umwelt, der Sicherheit und dem allgemeinen Menschenverstand nĂĽtzt?
Ronny K.:
Nur wenn man mir im Gegenzug mein Auto in der Wohnung parken lässt. Und ich das Tempolimit selbst wählen darf. 280. Mindestgeschwindigkeit. Für alle. Sonst ist es keine Demokratie mehr.
Meckerbude Statement:
Ronny ist das, was rauskommt, wenn man zu viele Auto-Werbespots schaut, zu wenig Zivilcourage tankt und der BMW-Schlüssel das eigene Weltbild ersetzt. Ein Tempolimit ist für ihn ein Angriff auf die Persönlichkeit – was viel über die Persönlichkeit sagt. Und wenig über Vernunft.
