Der Verschluss 🍾

„Der Verschluss – Symbol des Untergangs der westlichen Zivilisation“


Es ist soweit: Deutschland hat seinen Untergang gefunden. Nicht in Bildungspolitik, nicht in bröckelnder Infrastruktur, nicht in Bürokratie oder einer überalternden Gesellschaft. Nein. Es ist der fest angebrachte Flaschenverschluss. Dieses apokalyptische Stück Plastik, das sich weigert, sich in Freiheit vom Flaschenhals zu lösen, entfacht Wut, Empörung und Schweißausbrüche in deutschen Küchen, Autos und Schrebergärten.


Man könnte meinen, es handele sich um einen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit. „Wie soll ich denn jetzt trinken?!“ schreit der moderne Homo Sapiens, während er sich orientierungslos Apfelschorle übers Hemd kippt. Der fest verbundene Deckel – für viele offenbar eine motorische Endgegner-Erfahrung – wird zur Projektionsfläche einer grün-ideologischen Verschwörung. Der Staat, so scheint es, will uns nicht nur bevormunden, sondern jetzt auch noch beim Trinken zuschauen.


Dabei ist die Idee, Überraschung, gar nicht so blöd. Weniger lose Deckel = weniger Müll = besser für Umwelt. Aber wer denkt denn noch so profan? Es geht um Prinzipien! Schließlich leben wir in einem Land, in dem man sich lieber über einen Flaschenverschluss echauffiert als über Mikroplastik im Grundwasser.


Die gleichen Leute, die mit stolzgeschwellter Brust von deutschen Tugenden wie „Fortschritt“ und „Erfindungsgeist“ erzählen, sind beim Thema Plastikdeckel plötzlich Technikverweigerer. „Ich will meinen Deckel abmachen!“ – ein letzter Schrei nach Autonomie in einer Welt, in der offensichtlich sonst alles aus den Fugen gerät.


Übrigens: Die Aufregung ist nicht neu. In den 80ern hat man auch gejammert, als Dosenlaschen nicht mehr abgingen. Heute denkt keiner mehr darüber nach. Aber klar, damals war noch alles besser. Da hat man sich wenigstens beim Öffnen der Cola ordentlich verletzt – das war noch echtes Trinken!


Wer sich von einem Stück Plastik so maßlos in seiner Freiheit eingeschränkt fühlt, sollte vielleicht weniger Cola und mehr Selbstreflexion trinken. Oder einfach den Deckel festhalten, den Mund treffen und los. Ist gar nicht so schwer. Wirklich nicht.


Aber was weiß ich schon…

Ein Plastikdeckel, fest und stur,
wird plötzlich zur Kultur-Zensur.
„Ich will ihn drehen, werfen, fliegen!“
Doch leider bleibt er heut da kleben.

Am Frühstückstisch ein lautes Fluchen,
beim Trinken muss man nun versuchen,
den Hals zu treffen – gar nicht so leicht,
wenn’s beim Denken kaum mehr reicht.

„Früher war das anders, klar!
Da war der Bürger noch ein Star.
Heut klebt man uns den Deckel an –
wo führt das hin? Iran? Sudan?“

Doch während einer trotzig sabbert,
ein andrer heimlich doch schon labbert.
Und siehe da – ganz ohne Drama,
klappt’s plötzlich auch mit Limo und mit Karma.

MeckerBoss

MeckerBoss

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